Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

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Schillers medizinische Dissertation aus Sicht der heutigen Medizin

Goethes naturwissenschaftliche Studien, die ihn ein Leben lang beschäftigten, sind weithin bekannt, aber Schillers medizinische Dissertation blieb nur eine Episode in jungen Jahren. Das Thema jedoch – das Leib-Seele-Problem und insbesondere das Zusammenspiel beider  - war anspruchsvoll. Der junge Absolvent der militärmedizinischen Akademie stellt keine eigenen Forschungsergebnisse dar, sondern fasst den wissenschaftlichen Konsens seiner Zeit zusammen. Aus Sicht der heutigen Medizin betrachtet stellt die Dissertation Fragen, die in der Hirnforschung und namentlich der sogenannten Neurophilosophie weiterhin diskutiert werden. Dabei zeigt sich, dass zum Beispiel über die Systemtheorie Ansätze von Schillers philosophischem Mentor Kant heute wieder Eingang in die medizinische Forschung finden – wie auch der Begriff der „Genetik“ von Goethe benutzt aber nach ihm jahrzehntelang von der Naturwissenschaft als naturphilosophisch geschmäht und verworfen worden war.
Zu guter Letzt findet der angehende Poet ein Sprachbild zur Verdeutlichung des Leib-Seele-Problems: das zweier Klaviersaiten, von denen nur eine angeschlagen wird, die andere aber in Resonanz mitschwingt.  Es gibt eben komplizierte Zusammenhänge, über die man noch nicht abschließend sprechen kann, aber manchmal – frei nach Heiner Müller – kann man schon darüber singen.

Hansjörg Rothe
, geboren 1966 in Leipzig, ist Internist und Nephrologe und habilitiert sich zum Thema Pharmakogenetik in der Nephrologie an der Universität Würzburg. Er ist Vorsitzender des Freien Deutschen Autorenverbandes Thüringen.

 

Dr. Hansjörg Rothe
 

 

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