Leipzig in Schwarz endet mit Hammerschlag

Etwas Wehmut macht sich langsam breit. Die Ausstellung Leipzig in Schwarz. 25 Jahre Wave-Gotik-Treffen, die von meiner Kollegin Dr. Johanna Sänger und mir kuratiert wurde, geht zu Ende. Kaum zu fassen, ist sie doch gerade erst eröffnet worden. Naja, nicht ganz. Als die glanzvoll-dunkle Vernissage am 8. März 2016 stattfand, blühten noch nicht mal die Forsythien. Aber wir Kuratorinnen blühten damals wieder auf, denn nach wochenlangem Stress und Ringen um die bestmöglichen Exponate, Texte, Fotos und Gestaltungsideen konnten wir erst einmal durchatmen. Und wir konnten dankbar auf die vielen Leihgeber und Unterstützer zurückblicken, ohne die es diese Ausstellung nicht gegeben hätte.

Dankbar sind wir auch den mittlerweile fast 24.000 Besuchern. So einen Ansturm, wie wir ihn zu Pfingsten während des Wave Gotik Treffens erlebten, gab es in unserem Haus Böttchergäßchen lange nicht. Geduldig und freundlich warteten die Gothics in der Schlange. Als der Vier-Tages-Rausch vorbei war, fehlte weder auch nur ein Schnürsenkel an den zahlreichen ausgestellten Schuhen, noch hing ein Bild etwas schiefer als vorher an der Wand. Und das bei dem Gedränge – großartig!

Nun also der Countdown. Nur noch wenige Tage gibt es Schwarz als dominierende Ausstellungsfarbe, „Goethes Erben“ als musikalischen Hintergrund und Patschuli als benebelnden Dauerduft. Am 24. Juli ist der endgültig letzte Tag. Doch solch eine Ausstellung soll nicht einfach sang- und klanglos zu Ende gehen. Zur Finissage ist deshalb eine Auktion geplant. Unser Museumsdirektor, Dr. Volker Rodekamp, wird in die Rolle des eloquenten Auktionators schlüpfen und insgesamt 42 Bilder versteigern. Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Aber was erwartet den Interessenten?

Unter den Hammer kommen je vier Fotografien von Mahmoud Dabdoub und Thomas Bär sowie je zehn Motive von Gerd Lehmann und Corwin von Kuhwede, allesamt Leipziger Fotografen. Die Bilder zeigen Grufti-Szenen von 1988, markante Gesichter der 90er Jahre, humorvolle Beobachtungen auf dem Festivalgelände und sehr persönliche Porträts der jüngsten Zeit. Weiterhin stehen zehn Comic-Drucke von Uwe Roesch zum Verkauf. Das Spiel mit Klischees rund um Tod und Lebenslust ist das Markenzeichen der Kult-Comics um den jungen Helden DEAD. Drei großformatige Figurenbanner mit auffällig gestylten WGT-Besuchern, fotografiert von Jennifer Hoffert-Karas, Holger Karas und Thomas Heymann, komplettieren das Auktionsangebot.

Zur Finissage werden Fotografie-Altmeister Gerd Lehmann und Szene-Expertin Jennifer Hoffert-Karas übrigens höchstpersönlich anwesend sein. Sie erklärten sich im Vorfeld bereit, die ersteigerten Bilderschätze auf Wunsch zu signieren. Die anderen, am 24.7. leider verhinderten Künstler haben zugesagt, die Drucke nachträglich zu signieren. Wir freuen uns über das tolle Angebot und finden, dass man sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen sollte. Ich will nicht gleich von einer topsicheren Wertanlage sprechen, aber mal ehrlich – man kann nicht viel falsch machen! Der Einstiegspreis beträgt 10 Euro, dann darf in Zwei-Euro-Schritten höher geboten werden. Der glückliche Gewinner, der den Zuschlag bekommt, kann das Bild sofort mit nach Hause nehmen. Es wird noch vor Ort ausgerahmt und transportfähig verpackt. Der Erlös der Auktion kommt den Fotografen zugute.

Aber auch ohne Kaufabsicht lohnt sich das Kommen. Ein letztes Mal kann man hier in die schrille und zugleich geheimnisvolle Schwarze Szene eintauchen oder in Erinnerungen schwelgen und den Duft dieser faszinierenden Welt auch im wahrsten Sinne des Wortes atmen. Unterhaltung ist auf jeden Fall garantiert, wenn unser wortgewaltiger Direktor den Hammer schwingt und einen Hauch von Sotheby’s-Atmosphäre nach Leipzig bringt.

Der Eintritt zur Finissage ist ab 15.30 Uhr frei, bis zum unwiderruflichen Schluss um 18.00 Uhr. Wer dann ein Foto mit nach Hause nehmen kann, wird happy sein. Versprochen.

Hier ist eine Auswahl der Fotos zu sehen.